Geschichte dort erleben, wo sie geschrieben wurde, das konnten Anfang Dezember Schüler*innen der Jahrgangsstufe 10 des Mariengymnasiums. Die 23 Jugendlichen nahmen zusammen mit ihren Lehrer*innen Theresa Ciroth, Sophia Linten und Michael Guttner an einer Gedenkfahrt nach Weimar teil, die vom Internationalen Bildungs- und Begegnungswerk (IBB) begleitet wurde. Ziel der Reise war es, sich intensiv mit der Zeit der Weimarer Republik und dem Nationalsozialismus auseinanderzusetzen – und dabei nicht nur zu lernen, sondern auch zu reflektieren.
Ein besonders eindrücklicher Programmpunkt war der Besuch der Gedenkstätte KZ Buchenwald. Bei einer geführten Besichtigung erhielten die Jugendlichen einen unmittelbaren Einblick in die nationalsozialistischen Verbrechen. Die Atmosphäre des Ortes wirkte nach. „Das war schwer auszuhalten, aber genau deshalb so wichtig“, sagte eine Schülerin im Anschluss.
Ergänzt wurde dieser Besuch durch weitere Stationen, die historische Zusammenhänge greifbar machten. Im Haus der Weimarer Republik erfuhren die Schülerinnen und Schüler anschaulich, wie die erste deutsche Demokratie entstand, welche Hoffnungen mit ihr verbunden waren – und warum sie scheiterte. Einen kreativen Kontrast bot das Quartier der Moderne, wo sich die Gruppe mit dem Bauhaus auseinandersetzte und sogar eigene Postkarten im Bauhaus-Stil gestaltete.
Untergebracht war die Gruppe in der Europäischen Jugendbildungs- und Jugendbegegnungsstätte Weimar. Dort spielte sich ein wichtiger Teil der Fahrt ab: das gemeinsame Miteinander. Abends wurde im Gemeinschaftsraum gespielt, geredet und gelacht. „Gerade diese Zeit hat uns als Gruppe sehr zusammengeschweißt“, erzählte ein Teilnehmer.
Auch die Freizeit kam nicht zu kurz und wurde von den Jugendlichen selbstständig und verantwortungsvoll genutzt. Einige besuchten das Museum für Zwangsarbeit, andere Goethes Wohnhaus, die Herzogin Anna Amalia Bibliothek oder das Schiller-Museum. Zwischendurch lockte der Weimarer Weihnachtsmarkt, und sogar ein gemeinsamer Ausflug auf die Schlittschuhbahn stand auf dem Programm.
Ein zentrales Element der Fahrt waren die täglichen Auswertungsrunden mit den Teamern des IBB. Hier wurden die Eindrücke des Tages, insbesondere der Besuch in Buchenwald, besprochen, eingeordnet und vertieft. Diese Gespräche halfen vielen, das Gesehene zu verarbeiten und Fragen zu stellen, für die im normalen Unterricht oft kein Raum ist.
Am Ende kehrten die Schülerinnen und Schüler nicht nur mit neuen historischen Kenntnissen nach Werden zurück, sondern auch mit bleibenden Eindrücken. „Man versteht Geschichte danach anders“, fasste es ein Schüler zusammen. Die Gedenkfahrt nach Weimar zeigte eindrucksvoll, wie wichtig es ist, Erinnerung wachzuhalten – und wie Schule Orte schaffen kann, an denen Lernen, Nachdenken und Gemeinschaft zusammenkommen.
Leanne Wenzel
Erstellt am 14.01.2026 - Rubrik > Allgemeines