Allgemeines

16

Februar 2026

Geschichte, die unter die Haut geht: Klasse 8a im Gespräch mit Zeitzeugin Eva Weyl

Es war ganz still im Klassenraum der 8a, als Eva Weyl begann zu erzählen. Keine Geschichte aus dem Schulbuch, sondern Erinnerungen aus einem Leben, das vom Nationalsozialismus geprägt wurde. Im Rahmen unseres Schuljahresthemas „Wir bekennen Farbe – für Toleranz und Vielfalt, gegen Rassismus“ durfte die Klasse an einem virtuellen Zeitzeugengespräch teilnehmen, eine Unterrichtsstunde, die viele der Teilnehmenden noch lange begleiten wird.

Geschichte, die unter die Haut geht: Klasse 8a im Gespräch mit Zeitzeugin Eva Weyl

Organisiert wurde das Gespräch von Sophia Linten Politiklehrerin und Alina Koßmann-Streuer, die in der Klasse Religion unterrichtet, über die Initiative „Zweitzeugen“, die Begegnungen mit Holocaust-Überlebenden ermöglicht. Ziel dieser Initiative ist es, Erinnerungen weiterzugeben und junge Menschen zu ermutigen, Verantwortung für eine lebendige Erinnerungskultur zu übernehmen – ein Anliegen, das auch an unserer Schule einen festen Platz hat.

Eva Weyl, die 1935 in Arnheim geboren wurde, berichtete eindrücklich von ihrer Kindheit in den Niederlanden und von den Jahren im Durchgangslager Westerbork, in das sie als Sechsjährige mit ihrer Familie kam. Mithilfe von Bildern und Zeichnungen schilderte sie das Leben im Lager und die ständige Angst vor Deportation. Dass sie den Holocaust überlebte, verdankt sie mehreren glücklichen Zufällen, eine Geschichte, die alle Zuhörenden sehr bewegt hat.

„Man hat gemerkt, wie wichtig es ihr ist, dass wir zuhören“, erzählte Mia nach der Stunde.
Emilia ergänzte: „Geschichte war plötzlich nicht mehr weit weg, sondern ganz nah.“

Im Vorfeld hatte die Klasse sich im Politikunterricht intensiv mit der Zeit des Nationalsozialismus und dem Lebenslauf von Eva Weyl beschäftigt und Fragen gesammelt. Während des Gesprächs konnten diese gestellt werden, auch sehr persönliche und ungewöhnliche Fragen, die Eva Weyl offen und ehrlich beantwortete.

„Frau Weyl war unglaublich nahbar“, berichtet Alina Koßmann-Streuer. „Dass sie selbst erst sechs Jahre alt war, als sie ins Lager kam, hat ihre Erzählungen besonders eindrücklich gemacht.“

Die Bedeutung von Erinnerung und Aufklärung zog sich wie ein roter Faden durch das Gespräch. Eva Weyl machte deutlich, dass Diskriminierung, Ausgrenzung und Hass auch heute ernst genommen werden müssen.

Die Stunde endete, doch das Thema blieb. Noch auf dem Flur diskutierten die Schülerinnen weiter über das Gehörte. „Das hat uns wirklich beschäftigt“, sagte Hannah. „Man denkt danach anders über die Geschichte.“

Solche Begegnungen sind Teil unserer gelebten Erinnerungskultur am Mariengymnasium. Sie knüpfen an weitere Projekte an, wie etwa die Gedenkfahrten in der Jahrgangsstufe 9 nach Weimar und Auschwitz, bei denen wir uns intensiv mit der Geschichte des Nationalsozialismus auseinandersetzen.

Für die Klasse 8a war das virtuelle Treffen mit Eva Weyl eine besondere Erfahrung, persönlich, bewegend und eindringlich. Eine Unterrichtsstunde, die uns gezeigt hat, wie wichtig es ist, zuzuhören, zu erinnern und Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen.

Leanne Wenzel



Erstellt am 16.02.2026 - Rubrik > Allgemeines

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